Fokus 2019: Umgang mit Vielfalt in der MINT-Bildung

Im Klassenzimmer findet sich eine zunehmend große Vielfalt an Schülerinnen und Schülern mit unterschiedlichen Begabungen, Fähigkeiten und Interessen. Sie unterscheiden sich in ihrer kulturellen und sozialen Herkunft ebenso wie in ihrem individuellen Lern- und Leistungspotenzial oder ihrem Alter und Geschlecht. Lehrkräfte stehen vor der herausfordernden Aufgabe, jeden Schüler in seiner Einzigartigkeit wahrzunehmen und bestmöglich zu unterstützen. Der bewusste Umgang mit Vielfalt kann dabei eine Bereicherung für einen Unterricht sein, der gemeinsames Lernen von und mit Anderen zum Ziel hat.

Mit dem Polytechnik-Preis 2019 möchte die Stiftung Polytechnische Gesellschaft Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auszeichnen, die Unterrichtskonzepte für den konstruktiven Umgang mit Vielfalt in den MINT-Fächern entwickeln. Ein solcher Unterricht geht auf die Diversität der Schülerinnen und Schüler ein und schafft eine konstruktive Lernatmosphäre, in der die Schüler individuell gefördert und gleichzeitig im gemeinschaftlichen Lernprozess gefordert werden. So soll es jedem Schüler ermöglicht werden, seine Potenziale bestmöglich zu entfalten.

Für den diesjährigen Polytechnik-Preis zum Thema "Umgang mit Vielfalt in der MINT-Bildung" wurden nun acht Finalisten bestimmt. Die Auswahl der drei Preisträger findet am 27. September 2019 statt. Die Preise werden am 21. Oktober in Frankfurt am Main verliehen.

Zahlreiche hervorragende Lehrkonzepte sind bei der Stiftung Polytechnische Gesellschaft Frankfurt am Main für den mit insgesamt 70.000 Euro dotierten Polytechnik-Preis für die Didaktik der Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT) eingegangen. Unter diesen Bewerbungen hat die Auswahlkommission nach zwei Auswahlrunden acht Kandidaten nominiert, die besonders gute, innovative Unterrichtskonzepte zum diesjährigen Fokusthema "Umgang mit Vielfalt in der MINT-Bildung" entwickelt und bereits erfolgreich erprobt haben. Das Spektrum umfasst nahezu alle MINT-Fächer und Schulstufen, wobei mit der Hälfte der eingereichten Konzepte ein thematischer Schwerpunkt auf dem Fach Mathematik liegt.

Die Namen der Nominierten und ihrer Konzepte lauten (in alphabetischer Reihenfolge):
 

  • Prof. Dr. Ira Diethelm, Carl von Ossietzky Universität Oldenburg; Konzept: „IT2School“.
  • Dr. Laura Ferreira González, Universität zu Köln; Konzept: „Inklusiver Biologieunterricht“ (IBU).
  • Prof. Dr. Uta Häsel-Weide, Universität Paderborn, und Prof. Dr. Elisabeth Moser-Opitz, Universität Zürich; Konzept: „Zusammenhänge erkennen und besprechen – Rechnen ohne Abzählen“ (ZebrA).
  • Prof. Dr. Anette Marohn, Westfälische Wilhelms-Universität Münster; Konzept: „choice2learn und choice2explore“ im Fach Chemie.
  • Prof. Dr. Marcus Nührenbörger und Prof. Dr. Christoph Selter, Technische Universität Dortmund; Konzept: „Mathe inklusiv“.
  • Prof. Dr. Susanne Prediger, Technische Universität Dortmund; Konzept: „SiMa – Sprachbildung im Mathematikunterricht“.
  • Dr. Frank Reinhold und Prof. Dr. Kristina Reiss, Technische Universität München; Konzept: „ALICE: Bruchrechnen“.
  • Prof. Dr. Björn Risch, Universität Koblenz-Landau, und Dr. Markus Scholz, Pädagogische Hochschule Ludwigsburg; Konzept: „Inklusive Bildungsangebote für heterogene Lerngruppen im Kontext Nachhaltigkeit".

Die Herangehensweise der nominierten Konzepte zur individuellen Förderung von Schülern in heterogenen Lerngruppen erfolgt meist auf zwei möglichen Wegen: entweder anhand differenzierender Aufgaben und Materialien, zum Beispiel mit unterschiedlichen Schwierigkeitsstufen, oder anhand unterschiedlicher Zugangsarten zu den gleichen Materialien, beispielsweise unter Zuhilfenahme von Symbolen, leichter Sprache oder digitalen Werkzeugen.

Einige der Konzepte richten sich an eine spezifische Heterogenitätsdimension wie etwa die Sprachfähigkeit, andere nehmen im Sinne eines weiten Inklusionsverständnisses die vielfältigen Unterschiede heterogener Schulgruppen ins Visier. Dabei haben alle Konzepte das Ziel, Lehrkräfte mit Handreichungen, konkreten Unterrichtsmaterialien oder Fortbildungsmöglichkeiten bestmöglich für den MINT-Unterricht für eine vielfältige Schülerschaft zu unterstützen und eine konstruktive Lernatmosphäre zu schaffen. So soll jedem Schüler ermöglicht werden, seine Potenziale bestmöglich zu entfalten.

Im Folgenden finden Sie noch die Kriterien und Voraussetzungen, die erfüllt werden mussten, sowie die Zusammensetzung der Auswahlkomission. 

Die Ausschreibung richtet sich an Fachdidaktiker und Lehr-Lernforscher, die sich mit der Entwicklung und Erprobung von Unterricht in den MINT-Fächern beschäftigen, der auf die unterschiedlichen Lernausgangslagen und Potenziale der Schülerinnen und Schüler eingeht.

Ganzheitliche Unterrichtskonzepte beinhalten als unerlässliche Grundvoraussetzung eine Eingangs- und lernbegleitete Diagnostik und schaffen eine Balance von individuellem und gemeinschaftlichem Lernen. Die Methoden und Konzepte können nach unterschiedlichen Merkmalen differenziert sein, zum Beispiel nach Schwierigkeitsgrad, Lerninhalt, Lernzielen, Materialien und Medien oder den Lerntechniken. Sie können sich einer oder mehreren Dimensionen von Diversität widmen, wie beispielsweise der Förderung leistungsschwacher oder besonders begabter Schüler oder der Stärkung der Fachsprache. Eine differenzierte Unterrichtsgestaltung erfordert möglicherweise auch neue organisatorische oder strukturelle Voraussetzungen. Der diversitätssensible Einsatz digitaler Werkzeuge kann individuelles Lernen maßgeblich unterstützen und bereichern.

Es sind Konzepte für alle Schulformen und -stufen angesprochen. Besonders wünschenswert sind zur Implementierung in der Schule auch Konzepte für die Lehrerausbildung und -fortbildung.

Preiswürdige Konzepte müssen theoretisch fundiert, praktisch erprobt und auf ihre Wirksamkeit hin untersucht worden sein. Das Grundkonzept muss übertragbar sein.

  • Prof. Dr. Dr. h. c. Albrecht Beutelspacher
    Justus-Liebig-Universität Gießen, Mathematisches Institut

  • Prof. Dr. Susanne Bögeholz
    Georg-August-Universität Göttingen, Didaktik der Biologie

  • Werner Fischer
    Staatliches Schulamt für die Stadt Frankfurt am Main

  • Prof. Dr. Andreas Gold
    Goethe-Universität Frankfurt, Pädagogische Psychologie

  • Prof. Dr. Roland Kaehlbrandt
    Vorstandsvorsitzender Stiftung Polytechnische Gesellschaft

  • Prof. Dr. Ilka Parchmann
    IPN-Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik, Didaktik der Chemie

  • Prof. Dr. Bernd Ralle
    Technische Universität Dortmund, Didaktik der Chemie
    (Vorsitzender der Auswahlkommission)

  • Prof. Dr. Horst Schecker
    Universität Bremen, Didaktik der Physik

  • Prof. Dr. Franz B. Wember
    Technische Universität Dortmund, Rehabilitationspädagogik

  • Dr. Ekkehard Winter
    Geschäftsführer Deutsche Telekom Stiftung

Das sind die bisherigen Preisträger:

2016: "Erfolgreiche und nachhaltige Vermittlung von Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik an außerschulischen Lernorten"

1. Preis: Prof. Dr. Katrin Sommer (Bochum) - "KEMIE – Kinder erleben mit ihren Eltern Chemie"
2. Preis:  Prof. Dr. Burkhard Priemer und Prof. Dr. Lutz-Helmut Schön (Berlin/Wien) - "Vom Sehen zur Optik"
3. Preis:  Prof. Dr. Friedhelm Käpnick (Münster) - "Mathe für kleine Asse".
Sonderpreis: Irina Fritz und Christine Füssl-Gutmann (München) - "Der Stoff aus dem die Dinge sind – Werkstoffe der Gegenwart und Zukunft".

2013: "Innovative Lernangebote und Unterrichtskonzepte für den Elementar- und Primarbereich."

1. Preis: Prof. Dr. Kornelia Möller (Münster) - "Klasse(n)kisten"
2. Preis: Prof. Dr. Hedwig Gasteiger (München) - "Frühe mathematische Bildung in Alltags- und Spielsituationen"
2. Preis: Prof. Dr. Gisela Lück (Bielefeld) - "Naturwissenschaftliche Bildung im frühen Kindesalter"
2. Preis: Prof. Dr. Brunhilde Marquardt-Mau (Bremen) - "ELISA-Lab und KIGA-Lab"
2. Preis: Prof. Dr. Christoph Selter (Dortmund) - "PIK AS: Kompetenzorientierter Mathematikunterricht in der Grundschule"

2011:  "Herausragende Konzepte für Schulunterricht in den Fächern Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik" (MINT)

1. Preis: Prof. Dr. Ilka Parchmann (Kiel) - "Chemie im Kontext"
2. Preis: Prof. Dr. Marcus  Hammann (Münster) - "Kompetenzorientiertes Experimentieren"
2. Preis: Prof.  Dr. Aiso Heinze (Kiel) - "Mathe macht stark"
2. Preis: Prof. Dr. Peter Hubwieser (München) - "Modulares Gesamtkonzept für den Informatikunterricht"
2. Preis: Prof. Dr. Thomas Wilhelm, Prof. Dr. Hartmut Wiesner, Dr. Verena Tobias, Dr. Christine Waltner und Prof. Dr. Martin Hopf (München/Würzburg/Wien) - "Dynamische Einführung in die Mechanik"