1. Preis

Prof. Dr. Susanne Prediger für SiMa

Susanne Prediger ist seit 2006 Professorin am Institut für Entwicklung und Erforschung des Mathematikunterrichts der Technischen Universität Dortmund. Seit 2017 ist sie Vize-Direktorin des Deutschen Zentrums für Lehrerbildung Mathematik. Dort entwickelt sie gemeinsam mit acht anderen Universitäten Fortbildungen für Mathematiklehrkräfte, um gemeinsam mit den Landesinstituten den Mathematikunterricht zu unterstützen.

Das ist SiMa – Sprachbildung im Mathematikunterricht

Sprache zählt – denn fachbezogene Sprachförderung unterstützt auch das fachliche Lernen.

Wer in der Bildungssprache nicht sicher ist, der lernt auch weniger im Mathematikunterricht, das zeigen zahlreiche Studien. Warum ist das so, und was können Lehrkräfte dagegen tun? Diese Fragen sind nicht nur für Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund relevant, sondern auch für deutsche Muttersprachler, die im Elternhaus eher wenig sprachliche Anregungen bekommen haben.

Textaufgaben sind eine typische Herausforderung für sprachlich schwache Schüler. Viele versuchen, sich durch den Mathematikunterricht zu schummeln, indem sie die ungeliebten Textaufgaben nur oberflächlich lesen, die Zahlen herauspicken und irgendwie verrechnen.

Im SiMa-Unterrichtskonzept erlernen Kinder hingegen Strategien, Texte gründlicher zu lesen und die enthaltenen Informationen anhand von sogenannten Info-Netzen richtig miteinander in Beziehung zu setzen.

Sprachkompetenz ist aber auch dann notwendig, wenn ein konzeptuelles Verständnis für mathematische Konzepte aufgebaut werden muss. Was bedeutet überhaupt Prozentwert? Wozu braucht man einen Wendepunkt in der Kurvendiskussion? Wer die Bedeutungen erklären will, braucht geeignete sprachliche Mittel. Diese kommen oft weder aus der Fach- noch aus der Alltagssprache, sondern aus der Bildungssprache. Im SiMa-Unterrichtskonzept werden sie systematisch aufgebaut, mit der Alltags- und Fachsprache verknüpft und im Sprachspeicher verankert.

Durch das wiederholende Erklären von Bedeutungen und das Argumentieren und Erläutern mathematischer Rechenwege in den sprachbildenden Unterrichtseinheiten von SiMa verstehen nicht nur sprachlich schwache Schüler Mathematik besser. Eine Implementationsstudie ergab, dass auch die sprachlich starken Jugendlichen mehr von diesem Unterricht profitieren. Was für sprachlich Schwache entwickelt wurde, nutzt also auch den sprachlich Starken.

2. Preis

Prof. Dr. Annette Marohn

Annette Marohn arbeitet seit 2013 als Geschäftsführende Direktorin am Institut für Didaktik der Chemie der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Sie hat Chemie, Musik und Mathematik für die Sekundarstufen I und II an der Technischen Universität Dortmund studiert und war vier Jahre als Studienrätin an einem Gymnasium in Velbert tätig. Ihr Engagement in der Hochschullehre wurde bereits mehrfach ausgezeichnet.

Das ist choice2learn und choice2explore

Heterogene Schülergruppen erforschen naturwissenschaftliche Alltagsphänomene gemeinsam.

Beim Unterrichtskonzept choice2explore für die Grundschule und choice2learn für die Sekundarstufe erforschen Schülerinnen und Schüler von der dritten bis zur zwölften Klasse alltägliche naturwissenschaftliche Phänomene. Was passiert, wenn eine Aromalampe duftet, eine Brausetablette sprudelt oder wenn man Nudelwasser salzt? Schüler haben dazu sehr individuelle Vorstellungen. Manche vermuten, dass das Salz im Wasser verschwindet andere, dass es sich in Wasser verwandelt oder sich in kleinen Teilchen verteilt. Diese Vorstellungen überprüfen sie anhand von Experimenten. Sie führen Versuche durch, vollziehen Gedankenexperimente und arbeiten mit Modellen.

Das Besondere dabei ist: Schüler mit Einschränkungen im Bereich Sprache, Aufmerksamkeit oder Motorik, Kinder mit sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf und leistungsstarke Schüler lernen in kleinen Gruppen gemeinsam. Dass dies funktioniert, liegt an besonderen Merkmalen der Konzeption. Zum einen sorgen die vielfältigen Anfangsprognosen der Schüler für ein gemeinsames Rätsel: Welche Vermutung trifft zu? Zum anderen gelingt gemeinsames Lernen auch deshalb, weil alle Lernenden dieselben Materialien nutzen, diese jedoch verschiedene Zugangsweisen bieten. Versuchsschritte werden sowohl sprachlich als auch bildlich dargestellt.

Formulierungen in einfacher Sprache erleichtern das Lesen. Übersichtliche Gliederungen und Felder zur Selbstüberprüfung bieten Unterstützung und alternative Versuchsaufbauten ermöglichen beispielsweise Schülern mit motorischen Einschränkungen ein sicheres Experimentieren. Spezielle Forscherprotokolle fördern schließlich das gemeinsame Deuten und Schlussfolgern. In der digitalen Umsetzung der Unterrichtskonzeption für Tablets können sich die jungen Forscher zudem Materialien vorlesen lassen, Ergebnisse individuell dokumentieren, Experimente filmen und gemeinsam ein Erklärvideo drehen, in dem sie das untersuchte Phänomen mit einem Modell veranschaulichen.

3. Preis

Prof. Dr. Björn Risch und Dr. Markus Scholz

Björn Risch (links) ist seit 2010 Professor für Chemiedidaktik an der Universität Koblenz-Landau. 2003 hat er das Studium des Lehramtes der Sekundarstufen I und II für die Fächer Chemie und Sport an der Universität Paderborn abgeschlossen.

Markus Scholz arbeitet seit 2016 an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg im Arbeitsbereich Förderschwerpunkt geistige Entwicklung. Nach seinem Studium der Sonderpädagogik promovierte er mit summa cum laude an der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Das ist NachHLtig – Inklusive Bildungsangebote für Heterogene Lerngruppen im Kontext Nachhaltigkeit

Umweltbildung als Verknüpfung der Naturwissenschaften mit den Lebens- und Erfahrungswelten der Schüler.

Die Gestaltung einer nachhaltigen Entwicklung ist die zentrale globale Herausforderung des 21. Jahrhunderts. Entsprechend gilt es, allen Kindern und Jugendlichen – unabhängig von ihren persönlichen Lernvoraussetzungen – zu ermöglichen, an nachhaltigkeitsrelevanten naturwissenschaftsbezogenen Bildungsangeboten zu partizipieren. Das Konzept NachHLtig bietet didaktisch-pädagogische Handlungsempfehlungen, die darauf zielen, Lernmaterialien in Bezug auf Lesefähigkeiten und die Komplexität der Lerninhalte zu differenzieren. Die Keimzelle des Konzepts bildete das Projekt „Umweltbildung und Inklusion“.

Hier entwickelten Experten aus den Bereichen Umweltwissenschaft, Fachdidaktik Chemie und Sonderpädagogik gemeinsam Lernmodule für heterogene Lerngruppen zu den Themenbereichen „Sonne(n) mit Verstand“, „Kraftwerke der Natur“, „nachhaltiger Weinbau“ und „Lebensgrundlage Boden“. Mit ihnen sollen zum einen naturwissenschaftliche Inhalte und Arbeitsweisen mit den lokalen Lebens- und Erfahrungswelten der Schülerinnen und Schüler verknüpft werden, und zum anderen die dafür notwendigen Materialien so gestaltet werden, dass sie möglichst barrierefrei für Kinder und Jugendliche mit unterschiedlichsten Lernvoraussetzungen zugänglich sind. Als Materialien werden überwiegend Alltagsgegenstände genutzt. Inhalte und Experimente sind für einen möglichst eigenständigen, explorativen Zugang aufgearbeitet und das Material im Hinblick auf die individuellen Lesekompetenzen für Nichtleser bis fortgeschrittene Leser variantenreich.

Das Konzept wird in zwei universitären Lehr-Lern-Laboren eingesetzt und fließt somit auch direkt in die Lehrerbildung mit ein. Die entwickelten Materialien werden kontinuierlich ergänzt und stehen online kostenlos zur Verfügung.

Eine Vorstellung der übrigen fünf Konzepte finden Sie hier.